Herrschte im ersten Quartal 2010 noch fast grenzenloser Optimismus hinsichtlich Weltkonjunktur und Investments in risikobehaftete Papiere, so hat sich seit der Krise in Griechenland Skepsis bei vielen Anlegern breitgemacht. Der Zusammenbruch des Euro, ein befürchteter Immobiliencrash in China, ein erneutes Abrutschen der USA in die Rezession, die Angst vor erneuten Bankpleiten: eine lange Liste der Sorgen. Umso erstaunlicher mag Anlegern die aktuelle Konjunkturprognose des Internationalen Währungsfonds (IWF) vorkommen.
Nicht nur die Wachstumserwartung für das laufende Jahr wurde von 4,2 Prozent auf 4,6 Prozent heraufgesetzt, auch in 2011 soll die Weltwirtschaft um 4,3 Prozent zulegen. Auch wenn die Einschätzung des IWF zu optimistisch ist, bleibt bemerkenswert: Für eine erneute Rezession fehlen gegenwärtig die Anhaltspunkte.
Insbesondere die sehr einseitige Fokussierung auf die Wirkung der Konjunkturprogramme hält einer kritischen Überprüfung kaum stand. Staatliche Stützungsmaßnahmen schaffen allenfalls kurzfristige Impulse und wirken bei zu hoher Dosierung kontraproduktiv auf private Investitionen und das Zinsniveau. Insofern legen die aktuellen Sparbemühungen der Euro-Länder und der USA den Grundstein für auch mittelfristig höhere Wachstumsraten. Entscheidend für die Weltwirtschaft bleibt die reichliche und günstige Liquiditätsversorgung durch die Notenbanken.
Hieran kann sicherlich bis in 2011 kein Zweifel bestehen. Ohne die endgültige Sanierung des weltweiten Bankensektors, wo vermutlich faule Kredite von über 500 Milliarden Dollar schlummern, bleibt die aktuelle Erholung jedoch anfällig.
Die zuletzt gestiegenen Risikoprämien spiegeln dieses Bild derzeit bereits wider. Neben Unternehmensanleihen weisen vor allem einige Aktienmärkte beachtliche Risikoaufschläge zu sicheren Staatsanleihen auf. Für Euroland-Aktien bewegt sich diese Relation mit mehr als 600 Basispunkten nahe den historischen Höchstständen, Kurs-Gewinn-Verhältnis und Kurs-Buchwert-Verhältnis sind im unteren Bereich einer mehr als zwanzigjährigen Bandbreite. Während Bewertungen kurzfristig selten ein Auslöser für steigende Notierungen sind, so lässt sich dennoch das Potenzial erahnen, wenn die Risikoneigung der Anleger wieder zunimmt. Angesichts bevorstehender negativer Revisionen könnte es dazu noch etwas früh sein.