Marktkommentar Dezember 2011

Wunderkerze Das Jahr geht langsam zu Ende und es ist Zeit, Resümee zu ziehen. So gab es etwa 100 gefühlte Krisengipfel zur Rettung des Euros und ebenso viele Jubelschreie der Politiker. Diese feierten nach jedem Mal die Ergebnisse dieser Gipfel. Interessanterweise feierten sie allein – die Kapitalmärkte machten nicht mit und die Menschen demonstrierten, wie zum Beispiel in Griechenland wöchentlich auf den Straßen gegen ihre unfähige Regierung. Schade ist es, dass es der Politik nicht gelungen ist, Lösungen für die Schuldenkrise der südeuropäischen Länder zu erreichen. Gerade darauf hatten wir in diesem Jahr alle gehofft und so wurden die Erwartungen, hauptsächlich von den Anlegern und Spekulanten, enttäuscht. Das drückte sich in der Entwicklung der Aktienkurse aus.
Die europäischen Indizes verloren zweistellig gegenüber dem Jahresbeginn. Nur die Bundesanleihen mit kleinsten Renditen und Gold konnten in diesem Jahr überzeugen. Bei Gold ist der Zuwachs, wie schon in den Vorjahren, wieder zweistellig. Gefühlt wird aber ein Verlust, da es in den letzten Wochen zu Gewinnmitnahmen gekommen ist. Die Konjunktur kann wieder mit Zuwächsen aufwarten, denn immerhin wächst das deutsche Bruttoinlandsprodukt um etwa drei Prozent. Insgesamt ist es der Welt in diesem Jahr gut gegangen, sieht man von der Umweltkatastrophe im März in Japan ab. Die USA erklärten das Ende des Irakkrieges, und die Truppenabzüge in Afghanistan werden vorbereitet. Geopolitisch war das eine gute Entwicklung.

Geopolitisch wird sich nach meiner Auffassung der positive Trend größtenteils fortsetzen. In Amerika gibt es Präsidentschaftswahlen und die Prognosen für die Konjunktur sind moderat optimistisch. Bleibt eigentlich nur noch die Lösung nach der Schuldenkrise in Europa. Sparappelle, Schuldenbremsen und die Realisierung einer Fiskalunion in Europa werden das Bild prägen. Das allein reicht natürlich nicht und deshalb wird es spannend, welche Maßnahmen im nächsten Jahr noch ergriffen werden. Eine wichtige Rolle werden dabei die Zentralbanken spielen. Die EZB wird weiter die Geldmenge ausweiten und das Geld billig lassen. Im Ernstfall wird man eine ungeordnete Insolvenz eines EU-Mitgliedes immer verhindern.

Für die Kapitalmärkte könnten die ersten Monate in 2012 holprig sein. Dennoch stehen die Chancen auf steigende Kurse nicht schlecht. Die amerikanische Wirtschaft dürfte sich aber weiter erholen und es gibt ja auch die oben genannten Präsidentschaftswahlen. Schon das spricht aus der Erfahrung heraus wieder für ein besseres Aktienjahr.

2011 reihte sich eine Krise an die andere: Libyenkrise, Atomkrise, Eurokrise, Schuldenkrise, Bankenkrise und, und, und. Es sind genügend Brandherde, um ein ganzes Jahrzehnt zu füllen. Angesichts dieser negativen Rahmenbedingungen hätte u.E. nach deutlich schlimmer kommen können, zumindest die Kurstiefen vom August und September sind wieder einigermaßen ausgebügelt. Dennoch: Minus ist Minus und deshalb nie erfreulich. Auf Jahressicht sind die meisten Börsianer immer noch klar in den roten Zahlen. Es sei denn, sie waren mit einer ordentlichen Anzahl amerikanischer Aktien bestückt. Denn der Dow Jones ist der einzige unter den wichtigsten Indizes, der dieses Jahr mit einem kleinen Plus beendet hat.

Dabei sah die Welt zu Jahresbeginn noch etwas anders aus: Die Finanzwelt starrte vor allem nach Amerika, wegen der Schuldenbegrenzung drohte den USA die Zahlungsunfähigkeit. Zum Jahresende hin hat sich die Situation komplett gedreht. Jetzt herrscht bei uns die Angst vor einem Kollaps der Währungsunion, Europas Staatsoberhäupter eilen von einem Krisengipfel zum anderen. Währenddessen hat die weltgrößte Wirtschaftsmacht klammheimlich wieder einen Gang hochgeschaltet. Bei den Amerikanern kehrt die Konsumfreude zurück und der Immobilienmarkt stabilisiert sich. Im vierten Quartal dürfte das Wachstum bei bis zu drei Prozent liegen. Auch die Arbeitslosenquote ist zurückgegangen. Das ist zwar immer noch nicht berauschend, aber immerhin niedriger als in der Eurozone, wo sie 10,4 Prozent gestiegen ist.

Wie geht es weiter, was erwartet uns 2012? Die Chancen auf eine Erholung sehen u. E. gut aus. Die ganz große Panik des Sommers ist gewichen. In den Aktienkursen steckt immer noch extrem viel Pessimismus. Aber erfahrungsgemäß bieten die Phasen, in denen die Pessimisten die Oberhand haben, die besten Kaufgelegenheiten. Einer aktuellen Studie zufolge glauben gerade mal noch 19 Prozent der deutschen Anleger an wieder steigende Kurse. Und das, obwohl die meisten Unternehmen sehr gutes Geld verdienen. Für die Aktienanlage sprechen außerdem die Dividenden, die derzeit weit über den Zinsen bei festverzinslichen Wertpapieren liegen.

Auch wenn wir von wieder steigenden Kursen ausgehen: Ruhiger dürfte das Aktiengeschäft auch im neuen Jahr nicht werden. An einem Tag zwei Prozent runter und am nächsten wieder drei Prozent hoch – an so etwas muss man sich vermutlich gewöhnen. Die Börse ist hektischer geworden. Umso wichtiger ist es, den Blick aufs Ganze nicht zu verlieren.