Die Angst vor dem „Double-Dip“ der Weltkonjunktur ist zurück. Während das Marktgeschehen bis in den April durch gute Quartalsergebnisse und steigende Stimmungsindikatoren bestimmt wurde, hat sich der Blickwinkel seit der Griechenlandkrise und den kumulierten Problemen der Eurozone um 180 Grad gedreht. Tatsächlich bedeuten die mit dem Euro-Rettungspaket verkündeten drastischen Sparmaßnahmen in Spanien, Portugal, Italien und Griechenland eine deutliche Eintrübung der mittelfristigen Wachstumsperspektiven in der Eurozone. Auch die scheinbar überwundene Bankenkrise ist mit der Fast-Pleite einer spanischen Sparkasse und den offensichtlichen Abschreibungsproblemen im amerikanischen Gewerbeimmobiliensektor zurück. Fallende Rohstoffpreise und steigende Zinsen wecken darüber hinaus Zweifel an der Nachhaltigkeit des Booms in den Emerging Markets. Droht der Weltwirtschaft also der erneute Absturz?
Solch ein Szenario ist wenig wahrscheinlich. Die Griechenland-Krise hat wie ein Weckruf gewirkt, die ausufernde Staatsverschuldung zu korrigieren und die Konjunkturprogramme zurückzufahren. Im Gegenzug bleibt die Geldpolitik deutlich länger expansiv. Seit Mai kann auch die Europäische Zentralbank mit einer unkonventionellen quantitativen Geldpolitik direkt Liquidität in das System pumpen. Eine Liquiditäts- oder schwere Bankenkrise ist daher in den nächsten Jahren nahezu ausgeschlossen. Gleichzeitig dürften die Emerging Markets ihre boomende Konjunktur nicht in eine Rezession abbremsen. Auch die geringere Dynamik in den G7- Ländern und die Korrektur an den Rohstoffmärkten erhöhen die Chancen auf eine weiche Landung. Der Blick auf Verlaufindikatoren wie Auftragseingänge und Geschäftserwartungen lässt keine abnehmende Dynamik der Weltwirtschaft erkennen. In den G7-Ländern erhält zudem der noch immer eher schwache private Konsum durch die Stabilisierung an den Arbeitsmärkten Rückenwind.
Zwar dürften sich einige Prognosen für 2011 als zu optimistisch erweisen. Für eine erneute weltweite Rezession fehlen aber die Anhaltspunkte.
Anleger können an den Aktienmärkten auch für 2011 mit zumindest leicht steigenden Unternehmensgewinnen rechnen. Vor allem in Europa spiegelt die Bewertung am unteren Ende der historischen Bandbreite dies wider. Auch an zahlreichen Emerging Markets haben steigende Unternehmensergebnisse und fallende Notierungen die Bewertungsrelationen deutlich verbessert. Während vor allem die Staatsanleihen der großen Volkswirtschaften an Attraktivität eingebüßt haben, sollten bei Aktien Tage mit Kursen nahe den Jahrestiefkursen von Februar oder Mai für Zukäufe genutzt werden.