Die Griechenlandkrise hat den Aufwärtstrend abrupt beendet. Die Reaktionen an den Anleihe- und Aktienmärkten dürften Erinnerungen an die Lehmann-Pleite wachrufen. Der Blick auf das wirtschaftliche Umfeld zeigt jedoch einen gravierenden Unterschied: Während die Weltwirtschaft im zweiten Halbjahr 2009 in einer Rezession steckte, hat sich aktuell ein breiter Aufschwung herausgebildet. So reichen die Wachstumsraten in Emerging Markets wie China, Brasilien und Indien wieder an die Niveaus der alten Boomzeiten heran.
Auch in den Industrieländern hat sich das Umfeld aufgehellt. Ob amerikanischer ISM-Index oder deutscher Ifo-Index: Überall steigen die Stimmungsbarometer auf neue mehrjährige Höchststände. Auch der Bankensektor präsentiert sich in verbesserter Verfassung. Nach kräftigen Abschreibungen und anschließenden Kapitalerhöhungen sind die Bilanzdaten zumindest der börsennotierten Gesellschaften heute wesentlich solider als 2008.
Das verbesserte Umfeld spiegelt sich auch in den Unternehmensgewinnen wider. So konnten in den USA 80 Prozent der Ergebnisberichte im ersten Quartal positiv überraschen. Gute Auftragszahlen und eine aufgehellte Preissituation lassen zudem erwarten, dass der günstige Gewinntrend noch einige Monate anhält. Es bestehen daher gute Chancen, dass die aktuellen Probleme nicht zu einem erneuten Abrutschen in eine Rezession führen. Voraussetzung ist jedoch eine koordinierte Politik der europäischen Regierungen sowie der Europäischen Zentralbank. Da das Aufbrechen des Euros noch größere volkswirtschaftliche (und politische) Schäden als die Solidarität mit den unter Druck stehenden Ländern hervorrufen dürfte, sollte sich eine klare Verteidigung der Währungsunion durchsetzen. Für die EZB bedeutet dies jedoch vermutlich eine Einbuße an Selbstständigkeit. Der jüngst beschlossene Rettungsschirm über 750 Milliarden Euro deutet dies an. Die mittelfristigen Risiken am langen Ende der bisher noch gefragten Bund-Renditen haben daher zugenommen.
Während sich die mittelfristige Perspektive für die Aktienmärkte aufgehellt hat, könnten die kurzfristigen Abschwungkräfte noch anhalten. Neben den Turbulenzen um den Euro dürften auch das Auslaufen der positiven Berichtssaison und die begonnene Korrektur an den Rohstoffmärkten belasten. Immerhin hat die Korrektur dazu geführt, dass die bereits vorher nicht überteuerte Bewertung noch günstiger geworden ist. Die Aktien im DJ Euro Stoxx 50 werden derzeit mit einem KGV von rund zehn am unteren Ende der historischen Bandbreite gehandelt.